Gegendarstellung zum Beitrag im Spiez Info vom Mai 2022
Im Spiez Info vom Mai 2022 erschien ein Artikel über die geplante Wohnsiedlung im Kandergrien. Aus Sicht des Vereins IG-Kanderdelta ist dieser Bericht beschönigend und seine grafischen Darstellungen verniedlichen den riesigen Moloch eines Bauwerkes. Wir halten uns an die Fakten der Unterlagen aus der Zonenplanänderung.
Fakt 1
Es wird verschwiegen, dass die bauliche Nutzung nur aufgrund der Zonenplanänderung des heutigen Areals der Trockenplätze von einer Zone für öffentliche Nutzung (ZöN) in eine Bauzone möglich ist. Die ZöN ist in dem Sinne keine Bauzone in der zum heutigen Zeitpunkt eine Wohnnutzung erlaubt ist. Mit der Umzonung wird erst eine intensive Baunutzung möglich. Rein sachlich besteht keine Veranlassung für diese Umzonung, es sei denn man bereite einem Bau- und Renditeprojekt Tür und Tor. Die bereits heute an die ZöN angrenzende bestehende Baulandparzelle von 7000 m2 ermöglicht eine Nutzung gemäss den Bauvorschriften W2, mit der Pflicht einer qualitativen Gestaltung. Der implizierte Eindruck eines „Einfamilienhausquartiers“ entspricht so nicht den Tatsachen.
Fakt 2
In den offiziellen Auflageakten ist und war die Rede von 65 und nicht von 55 Wohnungen. Tatsache ist, dass mit einer Nutzungsdichte, wie sie heute in Spiez nirgends möglich ist, ein solcher Moloch mitten in das Naherholungsgebiet und zwischen zwei Naturschutzgebiete erstellt werden kann. Dies hat zur Folge das 4-geschossige Gebäude möglich sind und Gebäudelängen bis 120 m entstehen. Im offiziellen Modell sieht dies dann von der Perspektive vom See her zum Strättlighügel hin so aus:

Fakt 3
Es wird von einer Mehrwertabschöpfung von ca. 1.1 Mio CHF schwadroniert. Tatsache ist, die Gemeinde erstellte für die Erschliessung Deltapark eine Umfahrungsstrasse inkl. Brücke über den vorhandenen Bach. Nach nur 6 Jahren ist diese Erschliessung bereits wieder obsolet. Nun soll die alte Erschliessung wieder aktiviert und ausgebaut werden, ebenfalls zu Lasten der Gemeinde. Zudem muss der Strassenanschluss an die Kantonsstrasse gemäss Bericht Tiefbauamt durch die Gemeinde angepasst werden. Von diesen Kosten, welche für die Gemeinde resp. den Steuerzahler anfallen, ist in den bisherigen öffentlichen Akten keine Rede.
Zudem muss für diese Überbauung ein Abwasserpumpwerk erstellt werden, welches das anfallende Abwasser auf das Niveau der Abwasser Hauptleitung in der Kantonsstrasse anhebt. Die Kosten für den Neubau und Betrieb dieses Pumpwerks gehen ebenfalls zu Lasten der Gemeinde. Diese Kosten sind in den bisher vorliegenden Akten nicht ausgewiesen.
Fakt 4
In der selbsternannten „schönsten Bucht von Europa“ haben sich namhafte Grössen der Spiezer Gemeindepolitik für deren Grünerhaltung eingesetzt. Fast jährlich ist von einem Zwist der Anwohner (und ehemaligen Gemeindepolitiker) versus die öffentlichen Bedürfnisse, sei es nur eine Skaterbahn oder einem Event, zu lesen. Hier peripher zum Zentrum hält mit der Planung eines Zürcher Architekturbüros der Gigantismus Einzug. Ein solches Bauvorhaben ist im Raum Zürich möglicherweise opportun, aber ganz sicher nicht für diesen einmaligen Naherholungsraum und dem ländlich geprägten Spiez.

Fakt 5
Das Bauvorhaben lag „Ende 2021“ auf. Tatsache ist, dass ein Vorprüfungsbericht des Amtes für Gemeinde und Raumordnung bereits ende Februar 2021 bei der Gemeinde vorlag. Es war aus der Sicht des Vereins IG-Kanderdelta nichts als Taktik die Planauflage vom 24. November bis 24. Dezember 2021 durchzuführen. Eine Auflage in der Adventszeit lag sicher unter dem Radar der Gemeindebürger, was sich auch mit den nur 6 eingegangenen Einsprachen manifestiert.
Dieses Zonenplanvorhaben wird nach unserer Überzeugung von A-Z von Seiten der Gemeindebehörden „durchgemauschelt“ und findet jetzt in einem verharmlosenden Beitrag unter der redaktionellen Verantwortung der Gemeindepräsidentin Frau J. Brunner seine Fortsetzung. Diese Zonenplanänderung mit der Absicht eines monströsen und unpassenden Bauvorhabens gehört spätestens an der Urnenabstimmung, welche mutmasslich im September 2022 stattfindet, abgelehnt. Aus unserer Sicht ist das ein Verbrechen an den künftigen Generationen und lässt sich nie mehr korrigieren.